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Ingeborg Runge in ihrem blühenden Reich
Etwas abseits am Ende eines Stichs der Seinsheimstraße gelegen, hat sich eine über 800 Quadratmeter große Baulücke in den letzten 13 Jahren fast unbemerkt von der breiten Öffentlichkeit zu einem Garten mit sagenhafter Blütenpracht und zu einem ökologisch wertvollen Lebensraum für Flora und Fauna entwickelt.
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Ganz allein verantwortlich für dieses Blütenparadies ist die 87jährige Altenheimbewohnerin Ingeborg Runge. Anlieger sprechen von einem „Zaubergarten", denn die Seniorin hat noch nie einen Cent für eine Pflanze ausgegeben. |
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Die gebürtige Schlesierin war nach der Vertreibung aus ihrer Heimat in Norddeutschland ansässig geworden. In Göttingen konnte sie ihr unterbrochenes Geologie- und Botanikstudium vollenden und in Ostfriesland ihre erste Lehrerstelle antreten. Da sie sich als Katholikin im protestantischen Lüneburg, wo sie bis zu ihrer Pensionierung als Studiendirektorin an einem Gymnasium tätig war, nie so recht warm wurde, beschloss sie, ihren Lebensabend im katholischen Würzburg zu verbringen. Da sie gerne mit Menschen zusammen sein wollte, fand sie 1996 im neugebauten Caritas-Altenheim Sankt Hedwig in Veitshöchheim ein ihr zusagendes Appartement. |
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Der brachliegende Bauplatz nebenan, so erzählt die 87jährige, sei ihr sofort ins Auge gefallen. Sie habe keine Ruhe gegeben, bis der Eigentümer zustimmte, ihr zunächst einen zwei Meter Pflanzstreifen für das Pflanzen von Blumen zur Verfügung zu stellen, die sie von Gartenbesitzern aus der Umgebung „schnorrte". Wie die Pflanze „Guck über den Zaun" habe sie alle selbst vermehrt. So sei das bepflanzte Areal immer größer geworden, bis schließlich das ganze Grundstück in voller Blüte stand. |
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In der zweiten Julihälfte dominieren zurzeit die Goldgarben, die sich auch gut in einer Vase machen, meint die noch rüstige Dame. Sie habe deshalb auch nichts dagegen, wenn sich hier jemand einen Strauß pflückt. |
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Anzutreffen sind hier viele blühfreudige einjährige Arten wie Boretsch, Ringelblume, Saatwucherblume und Sonnenblumen, die im hinteren Teil des Gartens überwiegen. Danach prägen zweijährige Pflanzen wie Nachtkerze, Wilde Karde, Königskerze, Wiesenmargerite und Natternkopf sowie mehrjährige Arten wie Flockenblume, Wilde Möhre, Beifuß, Rainfarn, Malven, Färberkamille, Hornschotenklee, Luzerne, Reseda, Rittersporn, Fetthennen, Johanneskraut, Katzenminze und Nelken den Bestand. Zum Nachbarn hin gedeiht ein weißes Blütenmeer mit wilden Herbstastern. Aus Löchern wuchern Zierkürbisse. Aus einer Himbeerrute, den ihr ein Nachbar schenkte, hat sich ein großes Beet entwickelt. Eingestellt haben sich inzwischen auch vier Schwarznussbäume, die wie Runge verschmitzt sagt, Eichelhäher entgegen dem Willen des Eigentümers pflanzten. |
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Wie den Baumwuchs überließ die leidenschaftliche Gärtnerin, die täglich meist fünf bis acht Stunden in ihrem „Heiligtum" arbeitet, auch alles andere ohne Plan mehr oder weniger dem Zufall. Jedes Unkraut, das sie entdeckt, ist ihr aber ein Dorn im Auge, das sie sogleich entfernt. So hat sie es auch nicht so gerne, wenn jemand in einen durch den vielen Regen noch voller Unkraut stehenden Randbereich geht. Besteht doch die Gefahr, so meint sie, dass Samen von Unkräutern in die unkrautfreien Blumenpflanzungen getragen wird. |
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Auch Lesesteine türmte sie, nach dem sie vom Regen sauber sind, an den Randbereichen des Grundstückes auf, um so das Hereinwuchern von Unkräutern zu verhindern. |
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Bereits jetzt trifft die Seniorin Vorbereitungen fürs Frühjahr, sammelt Blütenstände, die sie, wenn die Samen reif sind, an gejäteten Stellen wieder aussät. |
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Einen Wasseranschluss hat sie nicht in ihrem Garten. Dafür stellt sie jede Menge Eimer auf, in denen sie Regenwasser sammelt. Selbst das Wasser, mit dem sie ihre Teekanne spült, findet Verwendung im Garten, ebenso Teeblätter und Apfelschalen als Dünger. |
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„Ich empfinde es als großes Geschenk, hier täglich arbeiten zu können" sagt sie zufrieden. Ihre Tätigkeit habe Vertrauen bei Menschen geweckt. Viele aus der Nachbarschaft aber auch Altenheimbesucher würden sie ansprechen und sich mit ihr austauschen. Noch sieht sie sich in der Lage, das ganze Grundstück zu pflegen, obwohl ihr klar ist, dass ihre Kräfte allmählich doch nachlassen und sie künftig wohl Abstriche machen muss. |
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